Startup Profil WIN-PORT: Drohnenlieferungen ans hauseigene Fenster

Logistik-Infrastrukturen sind ein enorm wichtiger Aspekt von Smart Cities. Große Hoffnungen werden dabei in Drohnen gesetzt. Das Team von WIN-PORT (eine Zusammensetzung aus WINDOW und TRANSPORT) tüftelt deshalb an einer Lösung, um Drohnenlieferungen bequem am heimischen Fenster empfangen zu können.

Zu WIN-PORT

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt uns einige Einblicke hinter die Kulissen zu geben. Kurz zusammengefasst: was macht ihr und welches Problem geht ihr damit an?

Mit WIN-PORT bieten wir erstmalig den direkten Zugang für Lieferungen durch Paketdrohnen am Fenster. Aktuell bieten wir Lösungen für die Intralogistik großer Unternehmen und bspw. Krankenhäusern. Langfristig haben wir die Vision bei gesetzlicher und technischer Entwicklung auch für die privaten Nutzer eine Station anzubieten. Wir bilden somit einen wichtigen Baustein für die extrem teure letzte Meile der Transport- und Logistikkette und helfen bei der enormen Effizienzsteigerung, die die Drohnenlieferung mit sich bringt.

Wie seid ihr auf diese Idee gekommen? Was ist die Geschichte dahinter?

Wir haben uns intensiv mit möglichen Anwendungen innovativer Ideen auseinandergesetzt und uns dabei bei dem Thema Lieferdrohnen die Frage gestellt: „Wo geben Paketdrohnen eigentlich Ihre Lieferungen ab?”. Die allermeisten haben keinen Garten und wollen auch von der Drohnenlieferung profitieren und dabei nicht zwingend ihre Wohnung verlassen müssen. Aber auch besonders in der Industrie sind Transportwege immer noch auf sehr umständliche und kostenintensive Lösungen angewiesen und dort stoßen wir auch als möglicher Nachfolger der Rohrpost und für eilige Transporte auf Werksgeländen auf hohes Interesse.

smart city, drones, drone deliveries, WIN-PORT

Fest installierte Version von WIN-PORT

Wie groß ist das Team von WIN-PORT, wie habt ihr zusammengefunden und welchen Hintergrund habt ihr?

Das WIN-PORT Team setzt sich hauptsächlich aus Freunden zusammen, die ihre jeweiligen persönlichen Stärken in das Projekt einbringen. Insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit aus den Bereichen Technik, Wirtschaft, Informatik und Marketing sind dabei entscheidend. Aber auch Impulse aus dem Bereich Verhaltensforschung sind uns wichtig.

Wir gehen davon aus, dass es in Zukunft vermehrt Projekte mit Freunden geben wird und wollen hier eine Vorreiterrolle einnehmen. Inzwischen haben sich auch erfahrene Unternehmensberater und Professoren dem Projekt angeschlossen. Wir achten jedoch immer darauf, dass wir auf einer Wellenlänge sind und die gleichen Ziele anstreben.

Eure Lösung für Paketdrohnen ist nocht nicht auf dem Markt. Welche Meilensteine stehen für euch als nächstes an?

Wir arbeiten zurzeit an Tests mit unseren Prototypen und kooperieren mit einem Drohnenexperten, der autonom und vor allem sicher transportieren kann. Sicherheit und Zuverlässigkeit haben für uns absolute Priorität. Bevor wir nicht nahezu absolute Sicherheit gewährleisten können, werden wir nicht an den Markt gehen. Wir werden dann unsere ersten Kunden mit Industrielösungen ausstatten und Pilotprojekte mit der SWISS Post starten. Parallel dazu weiten wir unser Patent international aus.

Wie kann man euch unterstützen?

Die nächste Zeit können wir mit privaten Mitteln und staatlichen Förderprogrammen finanzieren. Allerdings sind wir natürlich immer offen für interessierte Investoren, die sich für unsere Vision begeistern können und gleichzeitig von der enormen Skalierbarkeit profitieren möchten.

Zu Smart Cities allgemein

Wie seid ihr dazu gekommen euch mit Drohnen und Smart Cities zu beschäftigen?

Wir sind generell sehr an Zukunftsthemen interessiert und da führt inzwischen kein Weg an Drohnen und auch an Smart Cities vorbei. Gerade die Erschließung der dritten Dimension hat dabei für uns das größte Potenzial dargestellt, da dieser noch weitestgehend ungenutzt ist. Die Entwicklung dazu auch Menschen mit Drohnen zu transportieren ist wohl ein alter Menschheitstraum, der bald Realität zu werden scheint. Das wird auch das Stadtbild massiv beeinflussen. Auch in Anbetracht des Trends zu Megacities müssen massive Energie- und Emmisionsprobleme gelöst werden. Und auch da bieten Lieferdrohnen eine gute Möglichkeit eine große Anzahl an Menschen schnell und bequem zu versorgen und das durch ihren hohen Wirkungsgrad und zunehmender Benutzung sauberer Energie auf eine effiziente und ökologische Weise.

smart cities, paketdrohnen, drohnenlieferungen, WIN-PORT

Die Klemmversion von WIN-PORT

Wo seht ihr kurzfristige und längerfristige Chancen für Drohnen, die Logistik zu beeinflussen?

Kurzfristig werden Drohnen vor allem auf Werksgeländen – außerhalb und innerhalb – sowie in ländlichen Gebieten für massive Effizienzsteigerungen sorgen. Durch die neue Drohnenverordnung wurde die private Nutzung auf einen sinnvollen Rahmen begrenzt, gleichzeitig der Rahmen für gewerbliche Anwendungen erweitert und das generelle Verbot für Flüge außerhalb der Sicht aufgehoben. Bei der Weiterentwicklung der technischen Voraussetzungen und der steigenden Akzeptanz der Bevölkerung wird auch in dichter besiedelten Gebieten die Drohnenlieferung Einzug erhalten. Natürlich müssen dort klare Regulierungen geschaffen werden, dass beispielweise nicht zu viele Drohnen das Stadtbild beeinträchtigen und diese nicht zu einer Gefährdung werden. Gerade auch im Bereich Geräuschminimierung der Drohnen werden laufend interessante und sinnvolle Lösungen vorgestellt.

Gibt es momentan eine bestimmte Entwicklung, die ihr besonders interessant findet? Oder anders herum, welche Hürden existieren in Europa noch?

Wir arbeiten noch an einem Projekt, das sich mit dem autonomen Fahren befasst. Daher stößt dieses Thema bei uns auch auf großes Interesse. Die Drohnen adaptieren von der enormen Entwicklung der Kameratechnik und Algorithmen der Automobilhersteller. Bosch möchte noch in diesem Jahr erste Robotertaxis auf die Straße schicken. Wir befassen uns zudem auch intensiv mit der künstlichen Intelligenz, der Maschine-zu-Maschine-Kommunikation und in dem Zusammenhang mit der vielversprechenden Blockchain Alternative „IOTA“. Unserer Meinung nach sind wir jedoch bei diesem Thema in Europa gut aufgestellt. Wichtig ist, dass Anreize geschaffen werden, die die nötige Expertise der europäischen Universitäten und Unternehmen halten können und diese nicht abwandern und die kostenintensive Ausbildung und das enorme Fachwissen uns erhalten bleibt. Dazu dürfen bei allen offensichtlichen Vorteilen der künstlichen Intelligenz und der lückenlosen Ausstattung mit Sensoren die Schattenseiten nicht unterschätzt und auch da frühzeitig klare Regulierungen geschaffen werden.

Was glaubt ihr, wie wird unser Leben in Smart Cities in 5, 10 und 25 Jahren aussehen?

Die exponentielle Entwicklung im technischen Fortschritt, die sich gut im Moorschen Gesetz erklärt, wird auch in den Smart Cities zu enormen Veränderungen führen. Beispielsweise wird voraussichtlich die angesprochene Entwicklung der autonomen Fahrzeuge dazu führen, dass nur noch ca. 1/5 des aktuellen Bestands an Fahrzeugen benötigt werden und dazu Parkplätze und Parkhäuser in den Städten obsolet werden. Kinder können bedenkenlos in der Nähe von Straßen spielen, Gaststätten können ihre Sitzplätze ausweiten, die Stadt wird grüner. Singapur ist da heute schon ein vorzeigbares Beispiel.

Die Entwicklung zur Sharing Economy, die den Zugang vor den Besitz stellt, wird sich vermutlich auch auf den Wohnungsmarkt auswirken und zusammen mit dem Trend zum Homeoffice, der aktuell etwas in der Kritik steht, zu zentralen Miximmobilien führen. Die junge Generation sieht Flexibilität als wichtigstes Kriterium bei der Jobwahl und möchte am liebsten Arbeit, Freizeit und Wohnen so nah wie möglich zusammenbringen und dort vorzugsweise mit WIN-PORT direkt am Fenster jederzeit innerhalb weniger Minuten Lieferungen durch Paketdrohnen empfangen und versenden. Dabei soll gerade die Kommunikation zwischen den intelligenten Maschinen zu bequemen und hoffentlich sinnvollen Erleichterungen führen.

Bei aller Euphorie gibt es aus politischer Sicht noch keine klaren Lösungsansätze, wie die Gesellschaft mit den Folgen dieser massiven Veränderungen und der Dynamik umgehen wird. Die Anpassungsschwierigkeiten können zu enormen sozialen Unruhen führen.

smart city jobs, Karrieremöglichkeiten in smart cities, drones

Jobs und Karrieremöglichkeiten in Smart Cities

Wie schätzt ihr die allgemeinen Karrieremöglichkeiten im Smart City-Bereich ein?

Die Verluste an Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung wurden hinlänglich thematisiert. Es geht nur noch darum, wie massiv diese ausfallen. Der Smart City-Sektor ist sicher ein Bereich, in dem neue Jobs entstehen. Gerade die Stadtgestaltung und alle damit verbundenen Veränderungen haben jetzt schon einen enormen Bedarf, der im Zuge der Entwicklung noch zunehmen wird. Es wird sehr dynamisch und darauf muss sich höchstwahrscheinlich jeder einstellen, denn ein freiwilliges Zurück gab es noch nie in der Geschichte.

Welche Merkmale und Kenntnisse sollte jemand mitbringen, der etwas bewegen möchte? Welche Eigenschaften sollte man haben, um erfolgreich als Absolvent, Startup-Entrepreneur oder Jobsuchender in dem Bereich Fuß zu fassen?

Generell wird der Bedarf an Kreativität wachsen. Lust am Gestalten, eine gesunde Portion Optimismus und keine Angst vor Veränderungen helfen dort sicher. Die Hierarchien werden flacher und die emotionale Intelligenz gefragter, daher ist es wichtig auch in anderen Fachbereichen Erfahrungen zu sammeln und soziale Kompetenzen auszubauen – smarte cities brauchen smarte Bewohner.

Welchen Rat würdet ihr Absolventen geben, die Teil des Smart City-Sektors oder eines Smart City-Startups werden wollen?

Offen sein für alle Themenbereiche. Es ist wichtig über den Tellerrand zu schauen und Fachbereiche zu verbinden, um einen Beitrag für eine positive Zukunft zu schaffen.

Dazu passt ein Zitat des Künstlers Thomas Volkmann: „Machen hilft!”

Welche drei Eigenschaften müsste euer idealer Kandidat haben?

Wichtig sind uns eine hohe Auffassungsgabe und die Freude an Veränderungen, gemischt mit einer guten Portion Humor. Damit ist alles möglich!

Jakob, vielen Dank für dieses Interview!

Kontakt

Marco Wechselberger & Jakob Nitsch, Co-Gründer von WIN-PORT

WIN-PORT FOR DELIVERY DRONES
Blumenstr. 1
58791 Werdohl, Germany
Web: www.win-port.de
Email: [email protected]
Tel +49 2392 691513

Dieses Interview ist auch in englischer Sprache erschienen und unter Startup Profile WIN-PORT: Drone Deliveries Send to Your Window.

In Sachen Smart City News immer auf dem Laufenden bleiben: abonnieren Sie unseren Newsletter oder oder folgen Sie uns bei Facebook und Twitter.

Theresa Kern
Follow us

Theresa Kern

Business Development at beta|careers
Theresa is a management student and team member of the 2017 class at beta|careers.

Her responsibilities include growing and nurturing our platforms and, occasionally, taking care of bus tickets for the team. In her free time, she can be found on horseback out in the woods.
Theresa Kern
Follow us

Germany, Interviews, Startups